Kleiner Erfahrungsbericht: Olympus mju II

Nach einer längeren digitalen Phase habe ich in diesem Jahr wieder viel analog fotografiert. Ich mag einfach den Look von „echten“ Filmen. Und auch wenn es mittlerweile zahlreiche Presets zum digitalen Simulieren von Filmen gibt, bleibt am Ende Ende die Erkenntnis: Film ist Film

 

Ich bin in der Regel nicht der Fotograf, der seine Tasche packt und mit diversem Getackle zum Fotografieren loszieht. Ich habe eher die Kamera dabei und fotografiere, was ich so unterwegs finde. Somit kommt mir sehr entgegen, wenn eine Kamera klein ist. Meine alte Nikon FE ist wie viele Spiegelreflexkameras ihrer Zeit so robust, dass man damit wahrscheinlich fast einen Nagel in die Wand hauen könnte, aber auch so schwer und sperrig, dass ich mir gut überlege, das Ding mit mir rumzuschleppen.

 

Irgendwann hatte dann mal eine Olympus mju II den Weg zu mir gefunden und hat erst einmal viel Zeit in der Schublade verbracht. Vor ein paar Monaten habe ich diese wunderbare kleine Kamera dann für mich (wieder)entdeckt.

 

Die mju II ist eine vollautomatische Kompaktkamera („Point-and-Shoot-camera“) für Kleinbildfilme. Als Nachfolgerin einer mju I kam sie Mitte der 1990er Jahre auf den Markt und war schnell eine der meistverkauften Kompaktkameras. Seinerzeit hat sie wohl so um die 250 DM gekostet. Nach einer Zeit, wo man mit Aufkommen der Digitalkameras die noch reichlich vorhandenen analogen Kameras fast nur verschenken konnte, sind die Preise für einige begehrte Analogkameras in den letzten Jahren ordentlich angezogen. Und so kann man für eine gut erhaltene mju II heute schnell mal deutlich mehr als 150 Euro zahlen. Wer eine mju II sucht, kann auch nach einer Stylus Epic Ausschau halten. Unter diesem Namen wurde sie seinerzeit baugleich in anderen Ländern verkauft.

 

Wie gesagt, ist die mju II eine vollautomatische Kamera mit sehr rudimentären Einstellmöglichkeiten. Wenn man auf der Vorderseite die Objektivabdeckung zur Seite schiebt schaltet sich die Kamera ein und der Grund für den guten Ruf kommt zum Vorschein: das 35mm 1:2.8 Objektiv. Auch wenn es im Vergleich zu Objektiven an Spiegelreflexkameras winzig ist, hat es erstaunlich gute Abbildungsleistungen. Scharf gestellt wird ausschließlich per Autofokus. Dieser stellt auf die Bildmitte scharf und hat eine gute Treffsicherheit.

 

Nach meiner subjektiven Einschätzung ist die Bildqualität (für ein Objektiv dieser Größe) wirklich sehr gut. Am Ende kann es sicher nicht ganz mit „richtigen“ Objektiven an Spiegelreflexkameras ihrer Zeit mithalten, Fotografen mit extrem hohen Ansprüchen an die Bildqualität werden aber auch kaum zu so einer kleinen Kompaktkamera greifen. Für mich und meine Fotografie ist die Qualität aber definitiv mehr als ausreichend. Und Lensflares bei Gegenlichtaufnahmen gehören für Kameras aus dieser Zeit einfach dazu. Sie halten sich bei der kleinen Olympus allerdings in Grenzen.

 

Frisch eingeschaltet ist die Kamera im rundum vollautomatischen Modus und die Automatik entscheidet auch darüber, ob der kleine Blitz genutzt wird oder nicht. Von so einem Miniblitz darf man keine Wunder erwarten und so habe ich mich anfangs immer wieder geärgert, wenn es ungewollt blitzt und ich das als „Blitzmuffel“ gar nicht wollte. Es ist auch kaum kalkulierbar, wann es blitzt oder nicht. Manchmal blitzt die Kleine offensichtlich auch bei (scheinbar) bestem Licht. Den Blitz kann man abstellen. Mittlerweile lasse ich den Blitz aber meistens einfach an und schaue, was dabei rausgekommen ist. Und siehe da, es gibt immer wieder sehr schöne Überraschungen.


Durch mehrmaliges Drücken der linken von zwei Minitasten auf der Rückseite kann man sich dann der Reihe nach durch verschiedene Modi klicken: Vorblitz gegen rote Augen, Blitz aus, Blitz immer an, Blitz Nachtszene (Blitz + längere Belichtungszeit), Blitz Nachtszene mit mit Vorblitz gegen rote Augen. Mit dem rechten Minischalter kann man noch einen Timer einschalten und durch gleichzeitiges Drücken der beiden Tasten kommt man in einen Modus für eine Spotmessung. Leider gehen diese Einstellungen jedes mal verloren, wenn man den Kameradeckel schließt und die Kamera damit ausschaltet.

 

Ein kleines Display auf der Rückseite zeigt den jeweiligen Modus, die aktuelle Bildzahl sowie den Batteriestand an.

 

Die Filmempfindlichkeit wird über die DX-Codierung des Films automatisch ausgelesen und eingestellt. Es können Filme von ISO 50 bis 3200 eingelesen werden. Hat der Film keine Kodierung, stellt die Kamera auf ISO 100 ein. Es gibt keine Möglichkeit der manuellen Beeinflussung. … zumindest nicht an der Kamera. Man kann allerdings die DX-Codierung beschummeln. Aber das ist ein eigenes Thema. Nur soviel: Die mju II hat nur 4 DX-Kontakte und so kann man nur in ganzen Blendenwerten (ISO 200, 400, 800 usw.) „schummeln“. Zwischenwerte (z.B. ISO 250) funktionieren nicht. Dazu bräuchte es mehr Kontakte.

 

Das wars dann auch schon mit den Einstellmöglichkeiten. Man kann weder Blende oder Belichtungszeit einstellen noch gibt es die Möglichkeit einer Gegenlichtkorrektur. Drückt man den Auslöser aber nur halb, speichert die Kamera Fokus und Belichtung. Im Sucher zeigt dann eine grüne Leuchtdiode, dass die Kamera einen Fokus gefunden hat. Sieht man zusätzlich eine rote Leuchtdiode, heißt das, dass die Kamera blitzen wird.

 

Mit ein paar kleinen Tricks und etwas Erfahrung kann man aber trotzdem mit so wenig Einflussmöglichkeiten eigentlich (fast) alle Situationen meistern.

 

Bei Gegenlichtaufnahmen peile ich beispielsweise zunächst ein Objekt an, dass in etwa gleicher Entfernung zum Objektiv ist, aber im Schatten liegt oder zumindest nicht im Gegenlicht steht. Bei Landschaftsaufnahmen oder überhaupt bei Objekten im Unendlichen funktioniert das sehr einfach und mit fast 100%iger Treffsicherheit. Beispielsweise drehe ich mich für eine Gegenlichtaufnahme direkt in die Sonne zur Seite, peile beispielsweise einen Wald im Schatten an, drücke den Auslöser halb, drehe mich zurück und löse aus. Es kann manchmal hilfreich sein, beim Anpeilen eines Schattenbereiches die Spotmessung einzuschalten. Das klingt sicher alles ganz unglaublich umständlich, funktioniert aber mit etwas Übung ganz gut. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich überwiegend Farbnegativfilme verwende, die in der Regel etwas weniger anfällig gegen eine nicht optimale Belichtung sind.

 

Das Gehäuse soll übrigens spritzwassergeschützt sein. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das auch für den Objektivbereich gilt. Das sieht nicht wirklich abgedichtet aus.

 

Ich mag die mju! Aber wo viel Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Neben den annähernd nicht vorhandenen Möglichkeiten, auf die Automatik händisch Einfluss zu nehmen, ist sie recht laut. Das fängt an, mit einem Geräusch beim Einschalten und Ausfahren des Objektivs, geht weiter über ein deutlich hörbares Fokussieren, einen nicht gerade leisen Filmtransport und einem jaulenden Geräusch beim automatischen Zurückspulen des fertig belichteten Filmes. Man wird zwar mit so einer Kamera auf der Straße nicht wirklich als ernsthafter Fotograf wahrgenommen, wirklich unfauffällig ist man aber auch nicht.

 

Bei meiner mju gibt es manchmal einen minimalen Lichteinfall am untersten Rand des Films, obwohl die Gummidichtung noch gut aussieht. Bisher ist der Lichteinfall so selten und auch so wenig, dass ich das nicht problematisch finde. Mal schauen, ob sich das entwickelt.

 

Auch wenn es mit den oben beschriebenen kleinen Kniffen und Tricks möglich ist, fast jede Lichtsituation zu meistern, macht das die Arbeit doch eventuell ein wenig langsam. Auch gibt es keine Serienbildfunktion.

 

Bei allen kleinen Nachteilen ist die Olympus mju II derzeit meine liebste Analoge, einfach weil ich sie aufgrund ihrer Größe immer dabei haben kann. Und dazu macht sie noch erstaunlich gute Bilder. Sollte sie irgendwann mal nicht mehr funktionieren, werde ich mir bestimmt eine „neue“ mju II zulegen.